Abmahnungen – elendes Übel oder gutes Recht?

Der WebmasterFriday befasst sich mit einem Dauerbrenner der Blogosphäre

Abmahnungen – elendes Übel oder gutes Recht? Diese Frage wird beim heutigen WebmasterFriday gestellt.  Da das Thema mittlerweile allgegenwärtig ist und im Grunde jeden von uns Bloggern betrifft möchte ich heute auch mal ein paar meiner Gedanken zu dieser Thematik niederschreiben. Alleine in den letzten 6 Monaten haben es dutzende Abmahnungen geschafft die Aufmerksamkeit der Blogosphäre auf sich zu ziehen, meistens weil durch die Abmahnung ein Blogger betroffen war.

In den meisten Fällen hatte man das Gefühl einem David gegen Goliath Schauspiel beizuwohnen, ein großes Unternehmen mahnt einen kleinen Blogger ab. Es werden Streitsummen in den Raum geworfen die für viele absolut existenzbedrohend sind. Die Vergangenheit hat gezeigt dass der Blogger im Regelfall die Sympathien des Publikums für sich gewinnt und Unternehmen durch überzogene Abmahnungen und vorschnelle Rechtsabteilungen schnell einen Imageschaden davontragen können.

Ich selbst habe bei eingen Abmahngeschichten die Reaktionen der Unternehmen als absolut unmenschlich und überzogen empfunden. Doch zurück zur Fragestellung. Elendes Übel oder gutes Recht? Ich finde beides trifft zu. Natürlich kann und muss jeder, Einzelpersonen wie auch Unternehmen, das Recht haben die eigenen Interessen und Ansprüche geltend zu machen. Der Weg dazu sind Abmahnungen, Einstweillige Verfügungen und Co. Aber da kommt nun das elende Übel ins Spiel.

Die Abmahnindustrie, das Geld liegt im Internet!

Spätestens durch das Internet haben sich Abmahnungen zu einem lukrativen Geschäftszweig entwickelt. Nicht umsonst wird sehr häufig von der Abmahnindustrie gesprochen. Unmenschliche Streitwerte und absolut überzogene Forderungen werden ausgesprochen. Es gibt Massenabmahnung die mittlerweile scheinbar wie Postwurfsendungen gedruckt werden. Eine Abmahnung ist in meinen Augen längst nicht mehr nur die formale Aufforderung einer Person an eine andere Person, ein bestimmtes Verhalten künftig zu unterlassen. Es wird gezielt gesucht wo man abmahnen kann, also wo sich Geld verdienen lässt. Und unlängst sollen viele Abmahnung vor allem eins, die abgemahnte Person mal richtig einschüchtern.

Abmahnungen müssen ein legitimes Mittel bleiben um eigene Interesse durchzusetzen, da wird mir jeder Blogger, Texter & Autor zustimmen der bereits mit Contentklau und Urheberechtsverletzungen zu tun hatte. Aber andererseits kann es meiner Meinung nach auch nicht wie bisher mit dieser Abmahnindustrie weiter gehen.

Kommunikation statt Schocktherapie!

Unternehmen könnten ihr Geld statt in teure Rechtsabteilungen auch in Kommunikationsabteilungen investieren, denn ich würde wetten, ganz viele Dinge die momentan direkt abgemahnt werden (und mit Streitwerten und Anwaltskosten verbunden sind) könnten durch ein Telefongespräch oder eine E-Mail geklärt werden. Dies sollte der erste Kontakt sein den Partei A mit Partei B aufnimmt. Ganz menschlich. Sollte dies nicht erfolgreich sein bleibt immer noch die Möglichkeit die Rechtsabteilung zu bemühen. Menschliches Vorgehen wäre ein dicker Pluspunkt für die Unternehmen und würde vermutlich auch entsprechend von der Blogosphäre gewürdigt. Weg von dem Trend mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen, weg von dem Trend sich eine Rechtsabteilung mit bissigen Anwälten zu halten, weg von riesigen Streitwerten, hin zu angemessenem Verhalten für den Erstkontakt.

Das Internet wird, grob formuliert, durch Maschinen realisiert. Doch die Inhalte kommen meist von Menschen. Und wo der Mensch Hand anlegt passieren Fehler. In Erinnnerung geblieben ist mir  ganz besonders das Verhalten eines Unternehmens. Es wurde mit ganzer Kraft vorgegangen einem Blogger/Webworker zu zeigen wo der Hammer hängt.  Verständnis? Fehlanzeige! Als das Unternehmen dann feststellte dass der Abmahngrund in den eigenen Reihen zu suchen war wurde heftig zurückgerudert und um Verständnis gebeten! Na? Machts Klick?

Was sich meiner Meinung nach ändern müsste…

Ich für meinen Teil hoffe dass das Wort Abmahnindustrie irgendwann der Vergangenheit angehört und wir alle einen anderen Umgang miteinander erlernen was die virtuelle Welt betrifft. Zu diesem Umdenken gehört die Abschaffung der Abmahnindustrie und die Festlegung auf verhältnismäßge Streitwerte falls doch eine Abmahnung erforderlich ist. Desweiteren muss die auch die Gratismentalität aus dem Internet verschwinden, nicht alles was man kopieren oder abspeichern kann darf man sich auch kostenlos nehmen. Und in vielen Köpfen muss sich wohl auch noch der Gedanke durchsetzen dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist.

Ich möchte euch, zum Abschluss meiner Gedanken, noch 2 Artikel des gestrigen Tages mit auf den Weg geben die ein wenig die aktuellen Ausmaße des Abmahnwahnsinns aufzeigen.

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Kommentare (3)

  1. ralf.endres sagt:

    Ich will da jetzt gar nicht groß auf den Sinn oder Unsinn von Abmahnungen einegehn, greife aber dein beispiel mit dem Blogger auf -ohne den Sachverhalt zu kennen um wen und was es sich handelt- gegen den eine Fa. mit ganzer Kraft vorging. Und was wäre passiert wenn diesbezüglich schon eine Änderung in Kraft getreten wäre? Zum Beispiel das bei den ersten drei Verstößen gegen Urheber und Wettbewerbsrecht jeder mal straffrei ausgeht, nach dem Motto jeder macht mal Fehler? Beim vierten Verstoß nehmen wir mal 100 EURO als Streitwert, beim fünften Verstoß dann 500 EURO und ab dann darf man mal mitspielen wenn es um mehrere 100.000 EUR Streitwert geht. Wie gesagt nur ein Beispiel! Die Frage ist wo setzt man an, wo hört es auf? Gestern erst in einem anderen Blog einen Beitrag eines Bloggers gestolpert der in der Vergangenheit wühlte und auf einen Artikel einer Tageszeitung verlinkte. Dort ging es dann darum das dieser Blogger in der Vergangenheit wegen der Veröffentlichung eines Fotos auf seiner Website vom Urheber abgemahnt wurde. Ja und frage ich mich? Ob der Streitwert von 6.000 EUR gerechtfertigt ist oder nicht, das sollen andere entscheiden. Aber es kann nicht sein -wie du ja oben auch schreibst- das Diebstahl (auch wenn es sich “nur” um Content handelt) als Kavaliersdelikt durchgeht. Es gibt also durchaus Abmahnungen die berechtigt sind.

  2. Piet sagt:

    @Ralf Die Frage wo man ansetzen sollte und wo es aufhört kann ich dir verständlicherweise nicht beantworten. Ich kann nur sagen dass mir die Streitwerte über die ich in der Vergangenheit gelesen habe immer komplett überzogen vorkamen. Dein Beispiel, 6000 Euro für ein Foto finde ich ebenso vollkommen überzogen. Allerdings dürfen solche Sachen auch nicht verharmlost werden. Es ist vermutlich ein richtiger Spagath sich einerseits von horrenden Streitwerten zu verabschieden und der Internetbevölkerung gleichzeitig klar zu machen das Urheberechtsverstöße und Co. keine Kavaliersdelikte sind. In gewisser Weise tut es mir immer für unbedarfte Internetnutzer leid die einen Fehler machen und dafür angegangen werden als wären sie professionelle Internetkriminelle.

  3. ralf.endres sagt:

    Mit den Streitwerten sind wir in D zwar eine Nation die solche relativ hoch ansetzt, aber im Internationalen Vergleich z.B. USA bewegen wir uns da noch im Mittelfeld wage ich zu behaupten. Aber das ist auch der Knackpunkt, es ist einfacher einen Anwalt zu finden der dich z.B. bei einem Streitwert von 250.000 EUR vertritt, als einen der das bei “nur” 1.000 EUR macht. Apropo Fotos bzw. Passbild, ich wette das viele da auch nicht alles wissen. Einfach mal nach “passbild internet urheberrecht” googeln.

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