Webworken im Zeitalter der Informationsflut

WebmasterFriday Thema: Ertinken wir langsam in der täglichen Datenflut?

Die Fragestellung des heutigen WebmasterFriday lautet: Ertrinken wir in der Informationsflut? Wie immer ein interessantes Thema zu dem ich auch etwas beitragen möchte indem ich ein bisschen über eigene Erfahrungen mit der täglichen Informationsflut schreibe. Für mich ist diese Informationsflut in den letzten Monaten zum Alltag geworden und ich behaupte von mir selbst mittlerweile gut damit umgehen zu können. Trotzdem ist es meiner Meinung nach sogar richtig gefährlich sich planlos in die Informationsfluten zu stürzen.

Ursachen der Informationsflut

Web 2.0, Social Media und Co. kann man als die Ursachen aufzeigen. Immer mehr Menschen nehmen am Internet teil und es gibt immer mehr Möglichkeiten sich über Social Media einen eigenen Kanal aufzubauen um Information zu senden. Egal ob wir jetzt einen Blog, Twitter, oder einen Account bei einem Social Network wie Facebook als Kanal wählen, die Möglichkeiten Informationen ins Netz zu spülen sind nur 1 Klick weit entfernt. Neben dem Aspekt Informationen zu verbreiten bietet Social Media auch die Möglichkeit Informationen zu sammeln. Lesen und gelesen werden. Man vernetzt sich untereinander. Blogger abonnieren die RSS Feeds anderer Blogger, man folgt sich auf Twitter und wird Fan und Freund auf Facebook. Wer sich aktiv beteiligt wird schnell feststellen dass die Anzahl an Kontakten wächst. Und mit der Anzahl an Kontakten nehmen auch die Informationen zu, bis man irgendwann von einer wahren Informationsflut sprechen kann.

Warum wir die Informationsflut als solche wahrnehmen

Ich vermute die Informationsflut wird nicht nur aufgrund der Masse an Daten, sondern auch aufgrund des persönlichen Interesses an den jeweiligen Daten, als solche wahrgenommen. Ein gutes Beispiel sind RSS Abonnements. Ruft man seine Abos ab und findet viele Artikel die einen richtig interessieren, so war es ein erlebnisreicher Internetausflug. Interessiert einen aber keiner der frisch begutachteten Artikel, so entsteht meiner Meinung nach viel eher der Eindruck einer Informationswelle.In Momenten in denen man erkennt wieviele unnütze Informationen einem um die Ohren fliegen, sorgen dafür dass man die Datenflut wahrnimmt.

Wie kann man die Informationsflut bewältigen?

Die Informationsflut überschwemmt einen nicht von heute auf morgen. Man zieht sie sich quasi selbst heran. Der erste Schritt ist es also langsam vorzugehen. Nicht direkt 100 Blogfeeds abonnieren und nicht direkt 500 Personen auf Twitter folgen, sonst wird man erschlagen. Vor einem Jahr wäre ich mit der Menge an Informationen die ich heute bewältigen kann absolut überfordert gewesen. An das aktuelle Niveau von fast 300 Feed-Abos musste ich mich langsam rantasten. Ich habe beispielsweise jeden Monat nur eine handvoll neue Blogs in meinen Feedreader integriert. Schafft man es die Menge an Informationen zu überblicken können die nächsten Abos folgen. Ähnlich verhält es sich bei Twitter.

Kopfsache! Es ist natürlich besonders hilfreich wenn man es schafft Auge und Gehirn darauf zu trainieren Informationen schnell aufzunehmen und diese nach Interessant und Uninteressant zu filtern. Leicht gesagt, denn ich weiß dass das nicht jeder schafft und einige Blogger Probleme haben sich die Fähigkeit schnell zu filtern beizubringen. Zudem muss man sich damit abfinden dass man nicht alles mitbekommen kann was täglich um einen herum passiert und sich am besten von Anfang an bewusst machen dass man wichtige Meldungen und Artikel von Freunden ohne Gewissenbisse verpassen darf. Auch ganz wichtig, nicht auf jeder Hochzeit tanzen die es im es im Web 2.0 gibt. Es gibt viele Plattformen, man muss nicht auf jeder aktiv sein. In meinem Falle heißt die Hochzeit derzeit Facebook, da bin ich zwar auch anwesend, aber ich tanze nicht. Getanzt wird nur auf Twitter und in der Blogosphäre

Wer täglich webworkend den Kopf in die Informationswelle hält muss sich auch Auszeiten einräumen. Tut man das nicht wird man Probleme bekommen, aber darauf gehe ich später noch ein. Zuerst möchte ich noch kurz das Thema Tools anschneiden.

Tools und Software haben großen Einfluss darauf wie wir Informationen verarbeiten können. Bei mir hat sich die Software mit der Zeit verändert. Hier ist der Feedreader wieder das beste Beispiel. Am Anfang habe ich den Google Reader benutzt welcher mir aber irgendwann einfach zu unübersichtlich wurde. Ich habe auf eine Softwarelösung (Feedreader 3) gewechselt und kam wieder wunderbar klar. Bessere Übersicht und Platz für zusätzliche Abos. Mittlerweile habe ich sogar 2 Feedreader parallel im Einsatz. Es ist also nicht verkehrt sich regelmäßig nach neuen Softwarelösungen umzuschauen und sie zu testen. Das optimale Software-Team muss aber jeder für sich selbst entdecken.

Burnout durch Informationsflut
Burnout - Webworker schnell reif für die Insel?In der Masse von Information zu ertrinken geht recht schnell wenn man nicht aufpasst. Ich nenne das technische K.O, einen Zustand der totalen Erschöpfung, auch gerne Social Media Müdigkeit, denn man verliert meiner Erfahrung nach von einem Moment zum anderen das Interesse an all den Plattformen, Kanälen und Information. Ich würde behaupten irgendwann erwischt es jeden mal, und man ist einfach erschlagen vom Internet. Ich habe das selber auch schon erlebt, glücklicherweise nur eine Woche, dann kam das Interesse zurück.

Wenn es einen erwischt hat hilft nur noch abschalten (den Kopf und den PC) und sich anderweitig beschäftigen, am besten an der frischen Luft. Wer sich aus beruflichen Gründen nicht vom PC und dem Internet trennen kann sollte versuchen die eigene Aktivität auf das nötigste zu begrenzen. Tritt keine Besserung ein ist vielleicht sogar der Besuch bei einem Therapeuten angebracht. Therapien für spielsüchtige Online-Gamer gibt es bereits. Und wenn es nicht längst passiert ist wird es auch irgendwann Therapien für ausgebrannte Webworker geben. Denn die Informationflut die durchs Netz strömt hat meiner Meinung nach noch lange nicht ihren Scheitelpunkt erreicht. Die Internetbevölkerung wächst rasant, und mit ihr auch die Menge an Informationen.

Ich schließe den Artikel indem ich eine Fragestellung des WebmasterFriday einfach mal an euch weiter reiche. Schwimmt ihr stets erfolgreich im Nachrichtenstrom oder merkt ihr evtl. dass euch die Datenflut an manchen Tagen kaputt macht?

Foto: © S. Hofschlaeger / PIXELIO (modifiziert)

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Kommentare (8)

  1. Torsten sagt:

    Hallo Piet,

    also nicht nur Webworker haben mit einer Informationsflut zu kämpfen. Wir leben in einer Informations-/Wissensgesellschaft in der das aktuelle Wissen von jedem ja quasi schon mit einem Ablaufdatum versehen ist ;)

    Es wird die zukünftige Aufgabe z.B. von Pädagogen sein, die Menschen auf den Umgang mit den vielen Informationen vorzubereiten. Das Problem ist für viele, wie du schon sagtest, die Informationen zu filtern, zu reflektieren und zu hinterfragen. Das ist übrigens auch so eine Sache wie bei dem Fernsehen.

    Ich nutze übrigens auch den Feedreader. Er eignet sich gut, um die Quellen zu sortieren/gruppieren, zu überfliegen und einfach in den vollen Artikel zu wechseln, wenn er interessant ist.

    Wichtig ist auf jeden Fall, auch mal abzuschalten. Wir machen das, indem wir unseren Hund schnappen und eine extra große Runde spazieren gehen. Da hat das Hirn mal ein wenig Leerlauf und danach ist auch die Konzentration wieder besser.

    Gruß Torsten

  2. Robert sagt:

    Wow, 300 Feed-Abos ist schon ne ganze Menge. Aber wie du sagst, die Fähigkeit zu filtern kann man sich langsam antrainieren. Mir hilft Readitlater interessante Artikel mit einem Klick zu speichern und für später aufzuheben. So bleibe ich konzentrierter in meinem aktuellen Thema.
    Nach und nach wird es vermutlich auch als Blogger immer wichtiger sich eine Marke aufzubauen – sonst wird man in der Masse der Information erst gar nicht wahrgenommen.

  3. Piet sagt:

    @Torsten Natürlich hast du Recht, die Informationsflut betrifft die ganze Gesellschaft, nicht ausschließlich Blogger und Webworker. Der Vergleich mit dem TV passt ganz gut, da erkennt beim zappen ja auch Recht schnell was einem gefällt und was nicht.

    @Robert Ich kenne Blogger die noch mehr Abos überblicken können. Bei mir sind allerdings auch rund 30% der Abos Ami-Blogs die ich sowieso etwas anders handhabe als die Nachbarschaft in der deutschen Blogosphäre. Readitlater ist auch ein passendes Tool um mit Informationen umzugehen. Ich hab es auch getestet, konnte mich aber nicht richtig damit anfreunden.Der Blog als eigene Marke? Cooler Titel (wird notiert), und irgendwie stimmt das sogar, man muss sich schon einen Namen machen.

  4. Patrick sagt:

    Sehr schöner Artikel, aber das kennen wir ja nicht anders von dir ;-)

    Interessant ist die Burnoutthese, sofern ich sie als solche bezeichnen darf. Kenne das nur zu gut, wenn man plötzlich keine Lust mehr auf den Kram hat. Wie du richtig gesagt hast, gibt es Tage, da hat man einfach genug von alledem.
    Sehe das aber nicht als Teil oder Folge der Menge an Informationen, sondern weil man entweder überall den selben Müll liest, irgendwer die Timeline in Facebook von oben bis unten füllt usw. Jetzt gerade mag ich keine Nachrichten mehr lesen.
    Drei Themen sind gerade der ‘Burner’! Zum einen Die Ölpest, wo es seit Wochen nicht weitergeht, was ich absolut nicht verstehen kann, dann immer wieder Facebook und die Privatsphäre. Neben diesen beiden Themen steht dann auch noch Lena-Meyer. Egal ob auf Sueddeutsche, Spiegel, Heise oder sonst wo … Jeder erzählt den gleichen Einheitsquark.

    Aber mal unabhängig davon, es ist und bleibt alles eine Kopfsache, wie du schon so schön geschrieben hast.

    Liebe Grüße

  5. Tom Glasauer sagt:

    Sollten wir Blogger nicht froh sein, dass wir viel Infos für unsere Artikel erhalten.

  6. Parkrocker sagt:

    Das mit der “Marke” sehe ich in der Tat auch als ziemlich wichtig an. Ich beobachte zufrieden, wenn die Rede von “beim Parkrocker gelesen” oder “der Parkrocker [...]” ist. Mittlerweile nimmt man mich anscheinend nur noch über diesen Nick wahr, womit die Aufbauarbeit nicht so falsch gewesen sein kann und man auf jeden Fall weiß, wer gemeint ist :]

  7. Piet sagt:

    @Patrick Beides passt vermutlich für die Burnoutthese. Informatiosmasse und auch wenn man mit Informations-Einheitsbrei gefüttert wird.

    @Tom Natürlich, und ich denke hier beschwert sich auch niemand darüber. Schließlich entscheidet sich letztendlich jeder freiwillig für diese Informationsflut.

    @Parkrocker Du hast Recht, in deinem Fall hat sich der Name wirklich eingeprägt. Früher wollte ich übrigens auch Parkrocker werden, habs aber nie nach Nürnberg geschafft :P

  8. Mac_BetH sagt:

    Hallo Piet,

    toller Artikel! Im heutigen Zeitalter digitaler Medien, kommt man sich wirklich oftmals vor wie ein Ertrinkender. Soviele Informationen, die gesichtet und verarbeitet werden wollen. Aber müssen wir das, erwartet das jemand von uns! NEIN! Wie du schon richtig sagtest, diese Last bürden wir uns selbst auf, und sobald wir akzeptiert haben, dass es nicht wichtig ist in China einen Sack Reise umfallen zu sehen, dann werden wir aus der Informationsflut errettet!

    Toller Artikel, echt inspirirend! Danke schön!
    Gruß

    Matthias

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